Schlafapnoe: Nächtliche Beatmung verzögert Demenz um zehn Jahre

Nächtliche Beatmung mit CPAP-Geräten bei Schlafapnoe-Patienten verzögert Demenz um etwa zehn Jahre

CPAP-Beatmungsgeräte (CPAP = Continuous Positive Airway Pressure = Gleichmäßiger Beatmungsdruck) werden wegen der mit ihrer Anwendung verbundenen Unbequemlichkeiten nur von wenigen Schlafapnoe-Patienten genutzt.

Schlafapnoe-Patienten sollten ihre ablehnende Haltung jedoch überdenken. Denn ohne nächtliche Beatmung könnte ihnen zehn Jahre früher eine Demenz drohen.

Eine US-Studie mit etwa 700 Teilnehmern von Forschern um Dr. Ricardo Osorio (New York School of Medicine) hat nämlich untersucht, ob eine Schlafapnoe eine MCI (mild cognitive impairment = leichte kognitive Einschränkung) oder eine Alzheimer-Demenz beschleunigen könnte.

Dabei hat sich herausgestellt, dass Patienten mit Schlafapnoe aber ohne CPAP bei der MCI-Diagnose im Schnitt 73 Jahre alt waren, solche ohne Schlafapnoe knapp 84 Jahre. Schlafapnoe-Patienten mit Alzheimerdemenz waren bei Diagnosestellung etwa fünf Jahre jünger als Patienten ohne Schlafapnoe. Schlafapnoe muss allerdings nicht unbedingt der Grund für vorgezogene kognitive Probleme sein, weil auch die bei Schlafapnoe-Patienten häufigen Demenzrisikofaktoren wie zu hoher Blutdruck und Bewegungsmangel eine Rolle spielen. Die Beobachtung, dass die wenigen Patienten mit Schlafapnoe, die CPAP-Geräte benutzen, erst ca. zehn Jahre später eine MCI entwickelten, als Patienten ohne Schlafapnoe, ist jedoch bemerkenswert.

Andere Studien deuten auch auf einen Schutzeffekt der CPAP-Anwendung hin. Ein italienisches Forscherteam an der Universität Mailand (Prof. Luigi Ferini-Strambi) erforschte, dass Hirnschäden sich durch die nächtliche Beatmung nicht nur hinauszögern lassen, sondern hierdurch bestehende Beeinträchtigungen sogar rückgängig gemacht werden können.

Bei einer regelmäßigen Benutzung von CPAP-Geräten normalisieren sich gemäß Prof. Ferini-Strambi reduzierte Volumina der grauen Substanz in verschiedenen Gehirnregionen normalerweise nach längstens drei Monaten, was zu einer deutlichen Besserung der kognitiven Leistungsfähigkeit führte.

Das Forscherteam untersuchte auch die Integrität der weißen Substanz. Die Schlafapnoe-Patienten zeigten gegenüber Patienten ohne Schlafapnoe auch ausgeprägte Defizite in den meisten kognitiven Bereichen. Die Forscher stellten nun ebenfalls fest, dass auch diese Veränderungen komplett reversibel waren. Allerdings dauerte dies mit etwa 12 Monaten deutlich länger als die Rückbildung der Atrophie der grauen Substanz. Nach dieser Zeit waren jedoch mittels Anwendung der nächtlichen Beatmung fast alle kognitiven Beeinträchtigungen der Schlafapnoe-Patienten verschwunden.

Quellen: Sleep-disordered breathing advances cognitive decline in the elderly Ricardo S. Osorio, MD, Tyler Gumb, BA, Elizabeth Pirraglia, MA, Andrew W. Varga, PhD, MD, Shou-en Lu, PhD, Jason Lim, BA, Margaret E. Wohlleber, BA, Emma L. Ducca, BA, Viachaslau Koushyk, MD, Lidia Glodzik, MD, Lisa Mosconi, PhD, Indu Ayappa, PhD, David M. Rapoport, MD, Mony J. de Leon, EdD; For the Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative (Neurology, Neurology.org, Published online before print April 15, 2015, doi: 10.1212/WNL.0000000000001566Neurology 10.1212/WNL.0000000000001566

Castronovo V, Scifo P, Castellano A, Aloia MS, Iadanza A, Marelli S, Cappa SF, Strambi LF, Falini A. White matter integrity in obstructive sleep apnea before and after treatment. SLEEP 2014;37(9):1465-1475.

Sleep-Disordered Breathing and CPAP Overview of Sleep-Disordered Breathing Author: Vittorio Rinaldi, MD; Chief Editor: Zab Mosenifar, MD